Hans Rosling – Factfulness

Hans Rosling war Arzt, Statistiker und einer der überzeugendsten Erklärer seiner Generation. Dieses Buch, kurz vor seinem Tod 2017 fertiggestellt, ist sein Vermächtnis – und es beginnt mit einer schlichten, irritierenden Beobachtung: Fast alle Menschen, egal wie gebildet, egal wie informiert, haben ein systematisch falsches Bild von der Welt.

Nicht ein bisschen falsch. Systematisch falsch. Und zwar in eine bestimmte Richtung: zu düster, zu dramatisch, zu sehr an einem Weltbild orientiert, das vor Jahrzehnten vielleicht stimmte, heute aber nicht mehr gilt.

Rosling nennt dafür zehn Instinkte – darunter den Negativitätsinstinkt, den Angstinstinkt, den Einzelschicksalsinstinkt – die dazu führen, dass wir Informationen so aufnehmen, dass sie unser bestehendes Bild bestätigen, statt es zu korrigieren. Das ist keine Schwäche einzelner Menschen. Es ist ein strukturelles Merkmal menschlicher Wahrnehmung.

Was Factfulness von ähnlichen Büchern unterscheidet, ist der Ton. Rosling ist nicht zynisch, nicht belehrend. Er ist neugierig – und er hat echten Respekt vor der Komplexität der Welt, die er beschreibt. Das Buch ist eine Einladung, die eigenen Annahmen zu prüfen, nicht eine Abrechnung mit denen, die sie haben.

Wer unser kostenloses BOA-Buch Der Glaube, zu wissen gelesen hat, wird Roslings Instinkte als konkrete Beispiele für das wiedererkennen, was dort abstrakt beschrieben wird: dass unser Bild von der Wirklichkeit weniger mit der Wirklichkeit zu tun hat als mit den Filtern, durch die wir sie wahrnehmen.

Ein lesenswertes, ehrliches, am Ende sogar ermutigendes Buch.